Wer braucht Spielplätze? Ziegen!

Tom erzählt seine Geschichte der Ziegen:

„Wir haben die letzten 10 Tage bei einer Familie in den spanischen Bergen gewohnt. Für die Unterkunft und Verpflegung halfen wir auf ihrem Hof aus. Lisa war die erste Zeit krank und so wurde ich allein in den kleinen Hofbetrieb eingeführt.
Der zweitälteste Sohn der Familie war übers Wochenende zu Besuch. Er zeigte mir, wie ich den Paddock sauber mache, den Tieren Futter und Wasser gebe, die Ziegen melke und so weiter. Dabei entstanden schnell lustige Gespräche: einmal meinte Bob* zu mir: „Schau, dort drüben die kleinen Ziegen!“, und tatsächlich! Es hatten sich die kleinsten drei Ziegen im Melkstall versammelt und die Köpfe zusammengesteckt. „Die reden über Weltpolitik!“.
Ich musste lachen und sagte ihm, dass es für sie bestimmt noch wichtiger sei als für uns. Denn die Welt sei für Ziegen ein viel gefährlicherer Ort als für Menschen: „Fressen Menschen wirklich Ziegen? Wo kommt all die Milch hin?“.
Nach drei Tagen Paddock-Arbeit beschloss ich, den Tieren, die dort auf sehr engem Raum leben und mich ständig begleiteten, eine kleine Veränderung zu bringen. Anfangs dachte ich dabei noch an Mannschaftssport. Wäre es nicht großartig gewesen, wenn sie in zwei Teams Fußball spielen würden? Aber wie kann ich Ziegen in sehr kurzer Zeit Fußballspielen beibringen? So grübelte ich vor mich hin!

Nach einer Woche setzte ich den Grundstein für einen Spielplatz. Lisa und ich gingen bewaffnet mit einem alten Autoreifen in den großen Pferch für die erwachsenen Ziegen, den Esel und die beiden Pferde.

Das Interesse war bescheiden. Und wenn sich der Reifen bewegte, war es ganz aus mit der Kontenance.

Im Pferch mit den jungen Zicklein und Ziegenmüttern hatten wir mit unserer Aktion mehr Glück! Die Reifen wurden als interessant eingestuft und untersucht.

Somit beschlossen wir, Löcher zu graben um die Reifen darin zur Hälfte zu versenken.

Wie wunderbar dieser kleine Spielplatz ankommen würde und welche Veränderungen er möglich machte, war uns kaum bewusst gewesen!

Das kümmerlichste, kleinste Ziegenkind wechselte binnen 2 Tagen von seinem Hobby: letargisches Herumliegen – zu einem ständigen Spieleifer. Er konnte sogar wieder Kontakt zu den größeren Ziegenkindern herstellen, die ihn vorher nicht beachteten. Einige Ziegen übten Synchron-Springen. Andere befassten sich damit, nicht hinunter zu rutschen oder zum nächsten Reifen zu hüpfen. Wurde dies erfolgreich geschafft, so folgte postwendend ein Freudensprung. Die Ziegenmütter schmollten eifersüchtig am Rand und insgesamt sank die soziale Anspannung und Aggression, die wir in dem kleinen Pferch beobachten konnten.

Als jenes kleinste Ziegenkind, kaum größer als eine junge Katze, als eines der ersten diesen Sprung von Reifen zu Reifen schaffte, katapultierte es sich mit einem wunderbaren Freudenhüpfer hinunter. Lisa und ich jubelten zugleich los und einen kurzen Moment später lief er an den Zaun um sich von uns stolz kraulen zu lassen. Es schien nicht nur ihm so zu gehen: Die Ziegenkinder gediehen unter dem Spiel und der Aufmerksamkeit so sehr, dass wir uns nur schweren Herzens von ihnen verabschieden konnten. Wissentlich, dass es nicht das einfachste Ziegenleben werden würde, das vor ihnen lag …

Ein wunderbares Beispiel, wie unheimlich gerne, gerade junge Tiere, nicht nur Spiel, sondern auch soziale Ermächtigung genießen! Wir fühlen uns so, als hätten wir eine ganze Generation Ziegenkinder näher zusammen gebracht. Und das ist richtig schön …

*Name zensiert“

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